die wüste

Ein ödes Gedicht über die Wüste

Die Wüste

Die Wüste


die Wüste

Mit diesem kurzen, surrealen Gedicht beenden wir die sicher nicht vollständige Reihe über und mit den frühen wörtlichen Arbeiten des heutigen Berliner DCC-Artist Loop Dundee. Diese skurilen Geschichten und Gedichte waren wichtige Bestandteile der frühen, professionellen Schaffensperiode der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Jene Jahre waren gepägt durch Brüche jeglicher Art, Umbrüche, Ausbrüche, Abbrüche. Die alten, festgefahrenen Systeme klammerten sich förmlich an die Befreiung. Der konsequente Bruch mit der mittelalterlichen Lebensweise und muffigen Welt des vom schlesischen Katholizismus geprägten Systems und Klimas in den Familien und Arbeitsstätten Westdeutschlands, sollte sich schwerer herausstellen, als zunächst angenommen.

Die notwendige Radikalität in der Veränderung der Lebens- und Sichtweise Krenziens zog auch Verleugnung und Ausgrenzung, dass Ausstoßen durch die eigene Familie nachsich. Der komplette Umzug nach Berlin war für die Hinterbliebenen so etwas wie Verrat an der von ihnen selbstbestimmten Kaste und deren Standesbewußtsein. „Die Familie verlässt man nicht!“

Aber die eigentlichen Schwierigkeiten wurden durch das Ziehen des Mittelloses gekennzeichnet. Diese Tatsache bestimmte dann auch den jeweiligen Bestand an verfügbaren Materialien, und dadurch bedingt natürlich die Schnelligkeit und Richtung des künstlerischen Werdeganges maßgeblich.

Die meisten Selfmade-Künstler kämpften mit diesem Problem, denn wer nicht das Protektorat von etablierten Professoren und Galeristen sein Eigen nennen konnte, war auf die wenigen finanziellen Hilfen von Freunden und wohlwollenden Bekannten angewiesen. Materialien wie Farben waren teuer, zumal die Mengen schnell über die Dimensionen eines Tuschkasten hinausgingen. Dazu kamen profane Hindernisse wie die Größe des Ateliers oder die Kosten für die Miete.

Allerdings genauso folgenreich wie der Bruch mit der alt hergebrachten Familie, war die Tatsache, dass die neue Familie genauso sich zur Wehr setzte, die Ausgestoßenen bei sich aufzunehmen. Denn Kastensysteme gleich welchen Standes, sind insich systemkonform.

Rückblickend sei an dieser Stelle erwähnt, dass nach dem Durchsehen der wenigen noch vorhandenen schriftlichen originalen Aufzeichnungen sich deutlich herausstellte, dass sich erst durch die Kombination der Gedichte und kurzen Geschichten mit den bildnerischen und musikalischen Werken jener Zeit sein damaliges Frühwerk in ihrem eigentlichen Sinn erschliessen lässt.

Denn in den Darstellungen seiner surrealen Gedichte und Geschichten finden sich deren Strukturen in den Zeichnungen und Malereien genauso wieder wie in den tonalen Strukturen seiner frühen elektronischen Kompositionen mit analogen Synthesizer.

Mehr über diesen aussergewöhnlichen Künstler unter : Stations by the Way

die wüste

schneekristalle liegen auf dem heißen wüstensand
die unfruchtbarkeit im ursprung
materie reine materie und nichts als materie
der pure und unfassbare wahnsinn unter schnee
die traumtänzer schweben durch das rot des himmels
vorboten der hölle
eine nie da gewesene, phantastische phantasie
brutal und doch faszinierend einmalig
feenhafte kreaturen flimmern insektenhaft am horizont
vom ostwind begleitet von der kälte getriebene schärfe
über dem abgrund ein schwebender ast
an einer feinen wurzel hängend
der seidene faden
die dämonen der finsternis kämpfen gegen das licht
welches sich unaufhaltsam über den schnee legt
darunter der heiße wüstensand
brodelnd wartenend auf den aufbruch des unerforschten
zellengleiche langsame organismen der lebendigkeit
vorboten der vergängnis des untergangs
und doch die realität der fäulnis der geburt des todes
die kristalle des lebens unter dem schnee
begraben wartend auf die mutation
die erschaffung neuen lebens
somit die vergänglichkeit
als sinn des ewigen todes
die geburt der immer glühenden phantasie
ursprung allen lebens
schneekristalle liegen auf dem heißen wüstensand

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985

schonzeit – ein nebeliger Tag

Ein kleine, aber schreckliche Geschichte

Schonzeit

Schonzeit

Schonzeit

Er spuckte mir vor die Füße. Nichts ahnend, dass er mir damit einen Jugendtraum erfüllte. Mir machte es wirklich nichts aus. Ich war es gewohnt, dass man mir mit Respekt den Hof machte. Lieber seine Feinde schätzen, als von Freunden verraten.

Der Hof war heute sauberer als sonst. Deshalb war das ekelige Gespeie nicht gleich für jedermann zu erkennen. Diese Erkenntnis beinhaltete einige Tücken. Ich zog mir meine Stiefel an, machte mir einen schönen Tag, und sprach so für mich hin: „Was soll´s.“ Ich sah den Tag mit blinzelnden Augen an, der Tag sah mich mit blinzelden Augen an. „Da kann ja heute nichts schief gehen“, ging mir mit leiser Hoffnung durch den Kopf.

Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, dass der Tag ziemlich ungeschminkt aus seiner Wäsche lukte. Ich erkannte sein wahres Gesicht. Daraufhin nahm ich einen anderen Weg als üblich, um eventuellen Fallen von vorn herein ausweichen zu können. Ein alter Trick, klappt aber irgendwie immer. Bis auf heute.

An nichts Böses denkend, stellte sich urplötzlich die Schminke in den Weg. Mit einem eleganten Satz übersprang ich diese bunte Mischung aus Bosheit und Schamlosigkeit. Leider brach ich mir bei dieser artistischen Einlage meinen rechten Fuß. Der schleifte nun wütend ob seiner Nichtbeachtung etwas lästig hinterher, was mich beim Gehen außerordentlich störte. Kurzerhand schnitt ich den Rest ab, und setzte trotzig und einbeinig meinen einmal eingeschlagenen Pfad fort. Was sollte jetzt noch geschehen?

Da kam mir Marie mit einem funkelnagelneuen Roller und hoher Geschwindigkeit entgegen. Als sie mich sah, fand sie die Bremse nicht sofort, und machte eine üble Bauchlandung gleich neben die Mülltonnen. „Na, das ist ja ein Tag ..“

Ich selbst hatte heute meinen Gleichgültigen. Nichts sollte mich heute noch aus der Reserve locken, ging in die Kneipe und ließ mich laufen. Als das Maß auf voll zeigte, ging ich hinaus um nachzusehen, was meine Verunfallte wieder anstellte. Als Marie mich sah, kam sie schnauffend wie ein zorniger Stier direkt auf ich zu. „Holla!“ dachte ich, da ist aber jemand sauer.

Sie verlangte Genugtuung von mir. Dabei dachte ich immer, ich hätte genug getan. Ich ließ mich nicht darauf ein, und ging wortlos meiner Wege. Mit anderen Worten, ich ließ sie mit unverrichteten Dingen zurück, die, wie sich später herausstellen sollte, gar nicht unverrichtet waren.
Ich kam um die Genugtuung nicht herum. Aufgrund meines doch erheblichen Alkoholkonsums funktionierte meine Denke nicht so, wie ich es normalerweise von ihr gewöhnt war, und mit dieser Situation doch völlig überfordert. Außerdem machte mir mein rechter Fuß doch mehr Probleme, als mir lieb war.

Als ich nach Hause kam, versuchte sich Marie an einem Abendessen. Jedenfalls nannte sie es so. Die Küche war völlig in Nebelschwaden eingehüllt. London war besser zu erkennen. Wie sich herausstellte, machte der alte Wasserkocher wieder zicken. Er will uns ständig beweisen, wie gut er noch Wasser kochen kann. „Wir Alten schieben das schon!“ war einer seiner Lieblingssprüche.

Ich machte mich wieder auf meinen Socken, steckte ein paar Zündkerzen an, um wenigsten etwas zu sehen. Irgendwie wusste ich nicht, was ich tun sollte. Mit der rosa Brille kam meine Software auch nicht so richtig in Schwung. Letztlich ließ ich den Tag Tag sein, und verschob alles weitere auf den morgigen Tag.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985

das leinöl

Eine kleine Geschichte über die Schönheit

Loop unbeobachtet

Loop unbeobachtet

Das Leinöl

Nach dem Frühstück ging ich wieder in mein Atelier, und begann mit der Arbeit. Wie immer war das Atelier sehr wohl geordnet, die Leinwand hatte sich schon fertig aufgespannt, und die Pinsel und Farben kamen mir schon mit leuchtenden Lichter entgegen.

Marie hatte gestern noch die Punkte und Linien fein und säuberlich gesäubert, damit alles heute morgen zum Wohle aller angerichtet war, um die Welt zu malen.

Die Farbe hatte sich von unserem letzten Inferno ausreichend erholt, und lächelte mich freundlich und viel versprechend an. Ich nahm meinen gewohnten Platz ein und wartete, bis Marie erschien. Sie war für mich die Welt, die ich bannen wollte.

Marie erschien in einem langen satinierend aussehenden Kleid, welches an der Seite einen langen Schlitz bis zur Hüfte hatte. Mein altes Auto wurde von ihr wohl behütet abgeliefert. Sie sagte mir, dass der Wagen noch ins Museum wolle, und sie später abholen würde.

Ich begann mit der Bannung, die mir heute durch meine gut gelaunten Farben sehr erleichtert wurde. Im Nu war die Welt gebannt. Marie fühlte sich überglücklich. Man sah ihr die vergangenen Jahrhunderte nicht an. Sie war frisch wie der zu diesem Zeitpunkt noch junge Frühling, der uns heute eine milde Brise durch die Haare hauchte. Obwohl, ich muss gestehen, eher über meine Glatze mit den drei gräulichen Haaren. Trotzdem war es sehr angenehm.

Anschließend feierten wir alle ein rauschendes Fest. Der Wagen kam rechtzeitig zurück, feiert noch ein wenig mit, bis er uns ein wenig später etwas angeheitert sicher nach Hause kutschierte. Zu Hause angekommen, war alles beim Alten. Wir verschwanden dann auch gleich ohne viel Feder lesen ins gemütliche Bett.

Am nächsten Tag kam meine Galeere, um die noch etwas frisch gebannte Welt abzuholen. Wie immer hatte sie schon einen kunstinteressierten Käufer gefunden. Sie fand es wirklich gelungen, und schenkte uns zum Dank noch einen Becher Leinöl, damit, wie sie meinte, nach dem einen oder auch anderen Schluck Marie noch jünger aussehen konnte.

Ich übergab Marie den Becher. Sie freute sich riesig, und goss mir dabei ein paar Tropfen auf mein kahles Haupt. Und siehe da, es sprossen einige Sprossen aus der unendlichen Leere und Weite. Allerdings fand ich, dass mein Zuwachs auf dem Kopf eher wie Fenchel aussah.

Aber letztlich ließen wir uns davon nicht beirren. Wir pflückten ein paar Stängel, und kochten uns erst einmal den berühmten Tee. Auch unser Wagen bekam seinen Teil des köstlichen Getränks. Wir teilten immer alles, was teilbar war.

Die Zeit mit uns wurde immer schöner, und die Zeit selbst wurde auch immer schöner. Am morgen klingelte der Wecker sein fröhliches Liedchen zum Aufwachen. Wir speicherten alles, um den ganzen Trubel am anderen Tag noch einmal anzusehen.

Die Sonne war aus dem Urlaub zurück und schenkte uns ihre hellen, frischen Strahlen, gingen wieder schlafen und waren glücklich und zufrieden, bis zum nächsten morgen.

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985

der aufstand

Eine kurze Geschichte über das Übersehen aus dem Jahre 1985

Der Aufstand

Der Aufstand | Foto by Loop Dundee | 2011

Der Aufstand

Sitze am Tisch und Döse vor mich hin. Nichts Böses ahnend blicke ich gedankenverloren mit trüben Augen über meinen Schreibtisch. Da sehe ich plötzlich wie sich ein kurzer Bleistift langsam erhebt und versucht sich auf seine abgekauten Socken zu machen, um zu verschwinden. „Unglaublich!“ denke ich verblüfft.

„Nun gut“, geht es mir laut durch den Kopf, „auch er hat eine Persönlichkeit und ein Recht auf Eigenleben“. Ich gebe ihm die Freiheit, habe ja noch andere Bleistifte. Von diese dünnen Denkhilfen hat man ja nie genug, weil sie ständig verschwunden sind, und man deshalb viel Zeit mit Suchen verbringt.
Mein Blick verfolgt neugierig und leise den Weg des kleinen Stiftes. Mal sehen was er so treibt. Nach einer kleinen Verfolgungfahrt meiner Augen, konnte ich es nicht glauben, was sie sahen. Der Bleistift fängt an sich mit kleinen kreisenden Bewegungen an meiner frisch gestrichenen Wand zu schaffen.

Vor meinem erstarrten Blick entstehen Kritzeleien, welche ich normalerweise als Telefonzeichnungen bezeichnen würde. Okay Freiheit, aber muss er denn gleich meine gemütliche Behausung verunstalten?. Der magere Versuch, diese unglaubwürdige Handlung zu unterbinden, scheiterte an der Geschicklichkeit des kleinen Kritzlers. Nach einer kleinen Weile gebe ich die Strategie des Fängers auf.

„Soll er doch“, rät mir meine innere Vernunft. Dennoch kann ich nicht leugnen, die eine oder andere Schweißperle auf meiner verblüfften Stirn zu spüren. Kann nur nicht zwischen den beiden Möglichkeiten unterscheiden, ob es ein Schreck war, oder eine nicht gleich ersichtliche Konzentrationsschwäche meiner Kondition. Ich beruhige mich damit, in dem ich mir sage, „Einen Arzt brauchst Du nicht, Du warst immer schon krank.“

Ich beschließe, die eben gesehene Tatsache zu ignorieren, und tue so, als ob nichts geschehen wäre. Aber Pustekuchen. Gerade als ich mich wieder meiner eigentlichen Aufgabe widmen will, sehe ich wie sich gerade der Radiergummi über die hintere Kante meines Schreibtisches verabschiedete. Sitze völlig fassungslos der aktuellen Situation gegenüber. Doch ich lasse sie gewähren. Mal sehen, was noch so alles geschieht.

Der Radiergummi macht sich leicht errötet über die Kritzeleien des kleinen Bleistiftes her, uns versucht sie zu eliminieren. Kommt mir jetzt der Radiergummi unerwartet zu Hilfe? Ich wurde eines Besseren belehrt. Der Bleistift kämpft verwegen, und verteidigt sich mit all seiner bleiernen Kraft. Ein Kampf der Titanen direkt vor meinen Augen. Kleiner Bleistift gegen Radiergummi. Dachte ich jedenfalls. Aber es sollte noch verrückter kommen.

Auf einmal macht sich der Filzschreiber auf den Weg in Richtung Wand und greift in das nicht alltägliche Geschehen aktiv ein. Das war Revolution auf der ganzen Ebene. Der Aufstand der kleinen Dinge des Alltags. Mir wurde schlagartig klar, dass Sie es waren, welche uns den Sinn des Lebens begreifbarer machten. Sie schaffen sich Gehör. Sie fühlten sich missachtet, getreten und ausgebeutet. Sie sind diejenigen, welche die schönen Dinge des Lebens erst sichtbar machen. Was wären wir ohne den Radiergummi, welcher uns die Richtigkeit einer Aussage und Inhaltes erst ermöglicht. Er ist es, der die geschriebenen Irrtümer letztlich durch seine Radierung wahrhaftig werden lässt.

Der Filzer macht ganze Arbeit. Er schreibt an eine Stelle an meiner Wand, die ich Aufgrund meiner Größe ohne geeignete Hilfsmittel nicht so einfach erreichen kann, mit riesigen roten Buchstaben: „Bessere Behandlung bei der Arbeit, mehr Achtung vor unserer Umwelt, und ich solle mich nicht immer so gehen lassen!“ Also doch, Aufstand meiner bürokratischen Hilfsmittel.
Schock! Jetzt wurde mir klar, die Schweißperlen auf meiner Stirn waren keine durch ehrliche Arbeit erworbenen Auszeichnungen, sondern die pure Angst, welche mir durch die Furcht signalisierte, was meine kleinen Helferlein auf dem Schreibtisch jetzt mit großen Lettern an die Wand beschrieben.

Gut, ich versprach hoch und heilig Besserung, und auch das ich über meinen Umgang mit scheinbaren nicht wichtigen Kleinigkeiten ausgiebig nachdenken werden.
Die Aufmüpfigen kamen jetzt alle zurück auf den Schreibtisch. Ich derweil ging in die Küche, kochte einen leckeren Kaffee, nahm ein paar Tassen mit, holte den restlichen Sonntagskuchen aus dem Kühlschrank, deckte den Schreibtisch mit den Köstlichkeiten, und bedankte mich so bei meinen Freunden für ihre mutige Entscheidung, mir ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Es wurde ein rundum richtig schönes Fest.

Tja, seit jener Zeit mache ich mir öfters Gedanken über die scheinbar kleinen Dinge des Lebens. Das habe ich meinen großen Mitstreitern zu verdanken. Bleistifte ich liebe euch!

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985

träume

Ein kleines Gedicht zum Träumen

träume

schwarze haare kunterbunt
hie und da ein haar
schwarz mal bunt
eben kunterbunt

den traum der träume
träumt ein jeder
schäume in wogen
und wogen in schäume

mit sicherheit
damit wir mit der sicherheit
auch sicher sind
das macht uns blind

mit blindheit geschlagen
die menschheit
ach und oh
macht die politiker froh

verse die sich reimen
schreibt ein jeder
doch ich nicht
ich träume weiter

Sirius, 1986

spulwürmer und teufelsfratzen

Surreale Lyrik aus dem Jahre 1985

Von Spulwürmern und Teufelsfratzen

Von Spulwürmern und Teufelsfratzen | Foto by Loop Dundee | 2008


In den turbulenten Jahren Anfang der 80iger des vergangenen Jahrhunderts, als der Bildende Künstler Jürgen Rüdiger Krenzien seine surrealen Malereien schuf, begleitete er die Schaffensprozesse seine Bilder auch in lyrischer Form.

So intuitiv wie seine Malereien entstanden, so flossen auch seine Wörter auf das Papier. Sie sind ein Ausdruck seiner enormen Ausdrucksstärke. Seiner Meinung nach ist die schriftliche Begleitung essenziell für sein bildnerisches Werk.

Für ihn sind die unterschiedlichen Ausdrucksformen seines Schaffens keine Widersprüche, sondern basieren auf den selben Quellen. Die Werkzeuge wechseln, die Inhalte bleiben.

Loop Dundee, wie er sich seit Mitte der 90iger Jahr aus Gründen seines mittlerweile internationalen Wirkens nennt, benutzt selbst die Namen als Symbol und Sinnbild für den Ausdruck seiner Inhalte.

Alles ist Kunst und Ausdruck. Die Werke seiner Kunst sieht er als Übersetzungen tiefen Verständnisses für die nicht immer sofort sichbaren Welten.

Der Betrachter, Hörer oder Leser bekommt immer kleine Geschichten erzählt, die scheinbar alltägliche Begebenheiten beschreiben, aber letzlich eine Form von, wie er selbst sagt, Headmovies entstehen lassen.

Von Spulwürmern und Teufelsfratzen

Von Spulwürmern durchzogene Teufelsfratzen
wirbeln über das Papier,
bringen das Schaudern über uns.
Der Teufel lebt,
durchbricht immer wieder, immer wieder
das Weiss des Papiers, des Papiers.
Sie winden sich durch das Rot des Blutes.
Alles rot, rot und Tod.
Das Bild fängt an zu leben,
quält sich bis an den Rand der Erschöpfung.
Die Wut im Bauch wird siegen,
siegen.
Wut, Sieg, Wut, Sieg.
Ein hin und her und weg.
Das Bild verblutet langsam, sehr langsam.
Eine Ahnung macht sich breit,
wird breiter und breiter,
wird zu einem gebilden Bild,
gebaut zur Aufklärung der Klärung..
Das Bild muss gerettet werden,
Rette sich wer kann.
Die Teufel sind unter uns.
Ein Kampf entfacht über die Ahnungslosigkeit.
Die Musik treibt mich zum Wahnsinn,
drohend, breiter und breiter.
Die Ahnung.
Was will die Ahnung sagen?
Langsam erkenne ich die Botschaft,
langsam.
Aber oh Schreck, was sehe ich?
Es verschlägt mir die Sprache!
Ich kann nicht mehr sprechen.
Nur noch starren, mit weit geöffneten Augen,
auf das Bild.
Es kann nur noch stammeln ..
Der Verstand, alles dreht sich ..

Jürgen Rüdiger Krenzien, 1985